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Warum beginnen psychische Probleme meistens im Studium?

14.12.2016

Depressionen, Ängste, Phobien, Essstörungen, Panikattacken: unter allen Studierenden leidet nahezu jeder Vierte unter psychischen Erkrankungen. Im Jahr 2013 wurde bei 21,3% aller Studierenden eine psychische Störung diagnostiziert - die Dunkelziffer liegt vermutlich noch höher. Dies entspricht einem Zuwachs von 4,3% gegenüber 2009 - eine besorgnis-erregende Entwicklung. Damit sind Studierende überproportional häufig von psychischen Problemen betroffen, besonders Frauen. Fast jede dritte Studentin leidet demnach unter psychischen Problemen.

 

Auch bei den psychologischen Beratungsstellen macht sich dieser Trend bemerkbar. Zwischen 2007 und 2012 haben sich beispielsweise die Zahlen derer, die Beratung wegen psychischer Belastungen suchen, mehr als vervierfacht. Ähnliches gilt auch für Studierende, die sich mit Selbstmordabsichten in Behandlung begeben.

 

 

Welche Gründe gibt es für diese Zahlen?

 

Seit mehreren Jahren wird in der Öffentlichkeit diskutiert, welche Gründe zu dieser Entwicklung geführt haben. Allen voran wird dabei die Umstellung des akademischen Betriebes auf das Bachelor- und Mastersystem im Zuge der Bologna-Reform thematisiert. Die stärkere Verschulung des Studiums, der höhere Zeitdruck und die Konzentration auf das Erbringen von vorgefertigten Studienleistungen, so die These, führt dazu, dass immer mehr Studierende unter dem Druck zerbrechen oder nur noch darauf fokussiert sind, mechanisch alle nötigen ECTS-Punkte einzusammeln.

 

Das klingt durchaus plausibel: war das Studium früher dem Humboldt'schen Bildungsideal nach mehr als Zeit der Selbstfindung und Identitätsbildung aufgefasst worden, dominiert heute der Zwang zur Leistung, zum "Ableisten" von Vorlesungen, Seminaren und Hausarbeiten sozusagen. Diese maschinelle Abfertigung ist der natürliche Feind einer Lernumgebung, in der Studierende kreative Freiräume bekommen, um ihre Persönlichkeit weiterentwickeln zu können.

 

Das kann aber nicht der alleinige Grund sein. Akademischer Stress kann nach dem Modell des berühmten amerikanischen Psychologen Richard Lazarus (1922-2002) als Prozess verstanden werden, an dem zwei Komponenten beteiligt sind: zum einen ist da das eigentliche stressvolle Ereignis. Das können Prüfungen, Deadlines, aber auch die Leistungen von Kommilitonen sein. Diese müssen für sich noch nichts bedeuten, und man kann ganz unterschiedlich damit umgehen. Bedeutsam ist daher der zweite Teil, nämlich, wie diese "Stressoren" bewertet werden. Ordne ich die Stressoren als gefährlich ein, z.B. weil ich glaube, dass ich sie nicht bewältigen kann, dann erst entsteht dieses zutiefst unangenehme Gefühl der Angst und Überforderung, das wir allgemein Stress nennen.

 

 Das Stressmodell nach Lazarus.

 

So lässt sich erklären, warum sich in der gleichen Situation die eine Person ungemein gestresst, die andere sich aber vollkommen pudelwohl fühlen kann. Aber was sagt uns das mit Blick auf psychische Erkrankungen im Studium?

 

 

Für viele Studierende gerät das Studium zum Existenzkampf

 

Nimmt man das Stressbewältigungsmodell von Lazarus zur Grundlage, so ist nicht nur die objektive Anzahl von stressenden Ereignissen und deren Schwere bedeutsam, sondern auch, welche subjektive Bewertungen vorliegen. Zusammen ergeben diese beiden Teile die wahrgenommene Belastung eines Individuums, die so viel besser beschreibt, wie es einem tatsächlich innerhalb einer bestimmten Lebensphase geht, und daher auch, wie warum eine Person eine psychische Erkrankung entwickelt (natürlich ist dieses Modell etwas vereinfacht und es spielen noch viele andere Ursachen mit ein). 

 

So lässt sich auch verstehen, warum die gefühlte Verpflichtung, immer mehr und immer Besseres zu leisten, so schwer auf Studierenden lastet und und welchen Einfluss das auf die Gesundheit hat: besonders durch die Vernetzung in einem globalisierten akademischen Welt stehen Studierende gefühlt stets unter dem Druck, schon in jungen Jahren den Grundstein für eine Karriere zu legen, um nicht im Kampf um begehrte Arbeits-, Forschungs- und Praktikaplätze nicht mehr mithalten zu können. Social Media tut dazu sein übriges, indem sie Studierenden vorhält, wie scheinbar großartig die Leben von Freunden und Bekannten ablaufen. Durch Facebook und Co. kann man heute sogar das Gefühl bekommen, selbst in der Freizeit hinter den anderen hinterher zu hängen, wenn man sich nicht früh genug zum Backpacken nach Australien aufmacht, am Wochenende beim Roten Kreuz aushilft und nebenbei noch alle drei Tage ins Fitnessstudio geht.

 

 

Mit diesem Gefühl im Genick ist es mehr als verständlich, dass jede Prüfung, jedes Seminar und sogar alle Semesterferien zum Kampf um Selbstbehauptung werden. Dass das auf Dauer nicht gesund für Körper und Geist sein kann ist klar.

 

 

Sind psychische Krisen im Studium "normal"?

 

Zum anderen zeigen epidemiologische Studien, dass, wenn auch bei Studierenden vermehrt, ganz generell psychische Störungen vor allem im frühen Erwachsenenalter aufkommen. 75% aller psychischen Störungen manifestieren sich vor dem 25. Lebensjahr. Auch historisch sind existenzielle Krisen während des Studiums kein Novum. Bereits Goethe befand sich während seiner Leipziger Studienjahre immer wieder gefangen in depressiven Episoden. Er schreibt:

 

 

"Oft werde ich zum Melancholiker. Ich weiß nicht, woher es kommt. Dann sehe ich jeden mit starrer Miene wie eine Eule an. … und dann überfällt eine Dunkelheit meine Seele, eine Dunkelheit, so undurchdringlich wie der Oktobernebel."

 

Dass es Goethe trotzdem gelang, aus dieser mehrmonatigen depressiven Phase auszubrechen und ein langes, künstlerisch und menschlich reiches Leben zu führen, zeigt uns auf, dass in existenziellen Krisen während des Studiums immer auch die Möglichkeit mitschwingt, daran zu wachsen und sich dadurch neu zu definieren. Der Psychoanalytiker Erik Erikson sieht in der menschlichen Entwicklung verschiedene Stadien vorliegen, innerhalb derer Konflikte gelöst werden müssen, um daran zu reifen. Für den Philosophen Karl Jaspers stellen solche Grenzerfahrungen jene Momente dar, in denen Menschen zu sich selber finden und zu sich selbst in eine neue Beziehung treten können. Besonders in der krisenreichen Studienzeit, in der so viele Konflikte gelöst und neue Fertigkeiten gelernt werden müssen, realisiert sich so für ihn die Möglichkeit, zu einem reifen und gefestigten Individuum mit klaren Werten und eigenen Ansichten zu werden.

 

Unser Team teilt diese Ansicht, und so sind wir, auch mit Blick auf zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse, davon überzeugt, dass bereits kleine Schritte dir dabei helfen können, psychische Probleme im Studium zu bewältigen und aus diesen Grenzsituationen zu lernen.  Unsere Trainings sind dafür ausgelegt, dich bei dieser Reise effektiv zu unterstützen.

 

 

Mathias Harrer, FAU Erlangen-Nürnberg

 

 

 

Quellen

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